PM: Rechtsrockveranstalter greift Demonstrant*innen an

Oliver MalinaWährend einer Kundgebungstour durch Sachsen-Anhalt im Rahmen der Kampagne „Greif ein – Nazis und Rassist*innen keine Ruhe lassen“, versuchte Oliver Malina bei der Station in Nienhagen Demonstranten anzugreifen. Spontan hatten sich ca. 50 Antifaschist*innen vor dem Beginn der Kundgebung, die vor der „Hopfendarre“ statt fand, entschieden dem umtriebigen Neonazi einen Besuch abzustatten. Malina ist Organisator der Rechtsrockkonzerte, die mit der „Skinheadparty“ am 28.06.2014 nun schon im vierten Jahr in Folge in Nienhagen statt finden.

Während des kurzen Besuchs vor Malinas Wohnhaus kam es zu unschönen Szenen. Der Neonazi und seine Freundin sowie Verwandte und Freunde versuchten die Demonstranten, von denen keine Gewalt ausging, zu attackieren und beleidigten die Antifaschist*innen beispielsweise als „Kiffer“ oder „linke Assifotze“. Schließlich stürmte Malina, mit seinem Hund in der einen und einer Eisenstange in der anderen Hand, auf die Demonstrant*innen zu. Videomaterial zu diesem Vorfall liegt uns vor. Nur durch das besonnene Handeln einiger Antifaschist*innen konnte hier eine komplette Eskalation mit Verletzten verhindert werden. Mal wieder zeigte sich auf erschreckende Weise, dass Leib und Leben von Menschen, die nicht in das eingeschränkte rechte Weltbild passen, für Neonazis keine Rolle spielen.

Entgegen des Artikels aus der „Volksstimme” vom 26. Mai wurde der anfangs Fußball spielende Sohn des Neonazis kein Ziel verbaler Attacken. Erstaunlich ist außerdem, dass der Autor des Artikels seine Informationen ausschließlich von den anwesenden Freunden des Neonazi-Konzertveranstalters bezieht, war er selbst doch erst am Ende der Szenerie am Ort des Geschehens eingetroffen. Auch der sinnentleerte Bezug auf das verteilte Flugblatt ist so nicht hinnehmbar und eine Veröffentlichung des Originals wünschenswert. Zu keinem Zeitpunkt versuchte der Volksstimme-Autor Kontakt zu den offen und freundlich auftretenden Demonstranten aufzunehmen, sondern beschränkte sich auf das Fotografieren aus der Ferne.

Anschließend begaben sich die Antifaschist*innen unter dem Gepöbel und körperlichen Einschüchterungsversuchen einiger Einwohner zum eigentlichen Kundgebungsort. Auf dem Gelände um die „Hopfendarre“ des Eigentümers Klaus Slominskis, auf dem die neonazistischen Musikveranstaltungen stattfinden, wurden schon fleißig bauliche Vorbereitungen für die „Skinheadparty“, die wieder über 1000 Faschisten nach Nienhagen ziehen wird, vorgenommen. Während der Kundgebung vor dem Grundstück äußerten Einwohner*innen des kleinen Ortes, dass sie an sich kein Problem mit den Rechtsrockkonzerten hätten. Es wurde von ihnen betont, dass die Neofaschisten sich immer benehmen würden und alles friedlich bliebe. Kundgebungsteilnehmer*innen entgegneten ihnen, dass auf solchen Rechtsrockkonzerten der Soundtrack für Mord und Totschlag geliefert wird und durch Neonazis mindestens 184 Menschen in Deutschland seit 1990 umgebracht wurden.
Gegen Nazis und ihre Freund*innen Gegen Nazis und ihre Freund*innen


Gallisches Dorf? Schön wär’s!

Mit großer Enttäuschung wurde im Mai letzten Jahres die Nachricht aufgenommen, dass trotz „Bürgerentscheids“ gegen Rechtsrockkonzerte in Nienhagen 2013 doch wieder eine neonazistische „Skinheadparty“ im Ort stattfinden würde. Die von einem „Bürgerbündnis“ durchgeführte Umfrage war vorher in der Presse als großer Erfolg gefeiert worden. Auf einer Webseite wurde Nienhagen sogar als „gallisches Dorf“ beschrieben, das tapfer den Nazis trotzt.

Immerhin 40 Menschen (ca. 12% der Bevölkerung Nienhagens) hatten sich jedoch für die Rechtsrockveranstaltungen ausgesprochen. Sicherlich sind nicht alle von ihnen Neonazis, wahrscheinlich profitieren aber einige von Ihnen von den Veranstaltungen, allen voran Klaus Slominski, der sich seinen Wortbruch gut bezahlen lässt. In einer Gesellschaft, in der das Handeln der einzelnen Akteure vorallem auf das Erzielen von Gewinn ausgerichtet ist und es allen zuerst darum geht den eigenen Vorteil zu suchen wird die menschenverachtende Ideologie, die durch Geschäfte mit Neonazis unterstützt wird und die mindestens 184 Todesopfer die ihr nach 1990 in Deutschland zum Opfer fielen, einfach ignoriert. Es ist ja nicht verboten und Geld stinkt nicht.

Um öffentlichkeitswirksam zu zeigen, dass „Nienhagen nicht Nazihagen“ sei und so das Image des kleinen Ortes in den Medien gerade zu rücken, demonstrierten einige Nienhagener*innen, bevor das Rechtsrockkonzert begann. Viele waren aber auch weggefahren, nicht, weil sie die Rechten nicht ertrugen, sondern, weil sie sich durch die vielen Menschen in ihrer dörflichen Ruhe gestört fühlten. Gegen das Konzert an sich wehrte sich niemand. Über 1000 Neonazis konnten mal wieder unbehelligt zu den Klängen einer internationalen Bandauswahl ihrer menschenverachtenden Ideologie frönen.

Um wirklich etwas gegen Neonaziveranstaltungen wie die von Oliver Malina zu bewirken ist mehr nötig. Wir müssen uns im wahren Wortsinn den Faschisten in den Weg stellen.

Hier helfen nicht irgendwelche Appelle an staatliche Organe, dass diese doch ihren vollen Spielraum ausschöpfen sollten, sondern wir müssen es selber in die Hand nehmen, damit in Nienhagen (und überall) in Zukunft keine Rechtsrockkonzerte mehr stattfinden. Begleitet werden muss dies von der klaren Ansage, dass die Neonazis am stärksten dem Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft entgegen stehen und deshalb bekämpft werden müssen, nicht aufgrund irgendwelcher Imageschäden oder der Störung der Ruhe im Dorf an einem Wochenende im Jahr.

Letztendlich ist es zuerst aber Klaus Slominski, der das Gelände der sogenannten Hopfendarre an Malina für diesen Zweck vermietet und so die rechten Hass-Konzerte ermöglicht. Er hat mit seinem Wortbruch nach der Bürgerumfrage mit eindeutigem Ergebnis das Dorf und die Einwohner Nienhagens vorgeführt.

Wir werden diese Zustände nicht länger hinnehmen und fordern Klaus Slominski eindringlich auf, die Geschäfte mit Neonazis zu beenden und Oliver Malina keinen Raum für seine Konzerte zu geben!

Rechtsrockkonzerte aktiv verhindern!