Nazis und Rassist*innen keine Ruhe lassen – Auch nach Kampagnenende

Mittlerweile sind über zwei Monate nach dem Höhepunkt unserer Kampagne, der Demonstration in Halberstadt, vergangen. Mit etwas Abstand wollen wir mit dieser kurzen Zusammenfassung einen Schlussstrich ziehen.

Neben der Demo am 14. Juni 2014 ragt rückblickend die Bustour durch Sachsen-Anhalt mit verschiedenen Stopps hervor. Besonders der Halt in Nienhagen hat schon einen Monat vor dem erneuten Rechtsrockkonzert am 28. Juni 2014 für die Thematisierung des Problems des kleinen Ortes gesorgt. Der Besuch vor Malinas Haus hinterließ Eindruck.

Insgesamt waren wir mit dem Verlauf der Demo zufrieden. Besonders erfreulich war die große Beteiligung Geflüchteter. Die Demonstration verlief bis auf das Auftauchen einer lokalen JN-Fotografin zu Beginn fast störungsfrei, durch Flyer und Ansagen wurden Einwohner*innen informiert. Der Angriff auf zwei Geflüchtete in einem Park zeitgleich zur Demonstration veranschaulicht gut, dass die Kampagne „Greif ein – Nazis und Rassist*innen keine Ruhe lassen“ nur ein Anfang sein kann und weiterhin konsequent gegen Nazis und Rassist*innen vorgegangen werden muss. Gleichzeitig dürfen die fremdenfeindlichen Ressentiments, die zunehmend öffentlich von durch soziale Abstiegsängste geplagten Deutschen geäußert werden, nicht unbeantwortet bleiben.

Überrascht hat uns, dass die „Journalist*innen“ der Lokalpresse entweder total unfähig sind oder absichtlich Unwahrheiten schreiben (wie beispielsweise Christian Besecke von der Volksstimme nach der Bustour; ein Gespräch mit ihm bestätigte unsere Vermutungen), was eine sachliche Berichterstattung generell erschwert. Nichtsdestotrotz bekamen unsere Aktionen Aufmerksamkeit und die Probleme mit Neonazis im Harzkreis und bestehende rassistische Einstellungen der angestammten Bevölkerung wurden thematisiert. Auch durch die veröffentlichte Broschüre konnten Hintergrundinformationen an interessierte Einwohner*innen vermittelt werden.

Außerdem nicht zu vergessen ist auch die Gedenkveranstaltung zum Tod von Helmut Sackers, der im Jahr 2000 in Halberstadt von einem Neonazi erstochen wurde. Nach 14 Jahren fand so zum ersten Mal im Rahmen der Kampagne ein öffentliches Gedenken mit 60 Teilnehmer*innen statt, was als Erfolg gesehen werden kann.

Für die Zukunft wird weitergehendes antifaschistisches Engagement gegen das Rechtsrockevent „Skinheadparty“ in Nienhagen erforderlich sein. Der Veranstalter Oliver Malina hat bei der „Skinheadparty Vol. 3“ am 28. Juni 2014 schon angekündigt, die mittlerweile zur Marke gewordene Veranstaltungsreihe fortsetzen zu wollen. Die Erfahrung aus den letzten Jahren lässt uns zu dem Schluss kommen, dass nur durch eine eigenständige antifaschistische Mobilisierung nach Nienhagen neue Handlungsspielräume geöffnet werden können, wenn es auch schwer sein wird, sich effektiv mehr als 1200 Faschisten, die zu der Veranstaltung anreisen, entgegen zu stellen.

Wir bedanken uns bei allen Unterstützer*innen und bei allen, die uns positive Reaktionen und Zuschriften zukommen lassen haben. Auch nach dem Ende dieser Kampagne werden wir dafür eintreten, dass Neonazis und Rassist*innen im Harzkreis offensiv begegnet wird und vorherrschende rassistische gesellschaftliche Einstellungen thematisiert werden.